Oder: Das Land der Dalmatiner wartet.
Heute aus meiner Perspektive: Es gibt diese Momente, in denen man als Hund anerkennen muss: Die Menschen entwickeln sich. 😊 Langsam, wirklich langsam. Manchmal braucht sehr viel Zeit, zahlreiche Spaziergänge, deutlich formulierte Blicke und den konsequenten Einsatz meiner Körpersprache bis eine Botschaft ankommt. Aber dann passiert es: Frauchen und Herrchen fahren mit mir in den Urlaub. Nach Kroatien.
Ich habe die Reiseplanung eher beiläufig verfolgt. Menschen sitzen dabei gern vor Bildschirmen, vergleichen Campingplätze, diskutieren über Fahrzeiten und stellen Fragen wie: „Meinst du, da kann man morgens schön laufen?“ Natürlich kann man morgens laufen. Man hat Beine. Ich verstehe bis heute nicht, warum Menschen für manche Erkenntnisse mehrere Internetseiten benötigen… Und dann fiel irgendwann dieses Wort: Kroatien.
Ich hob den Kopf. Nicht hektisch, man will schließlich nicht zu viel Begeisterung zeigen, bevor die Lage vollständig geklärt ist.
Kroatien. Dalmatien. Dalmatiner.
Ich sah Frauchen an, dann Herrchen, dann wieder Frauchen. Für einen kurzen Moment war ich wirklich beeindruckt: Da haben sie ja mal mitgedacht. Eine Reise ins Land meiner Träume, meiner Herkunft. Ich sah mich innerlich bereits an der Küste stehen, den Wind in den Ohren, das Meer vor mir und hinter mir Menschen, die staunen: „Schau mal, ein Dalmatiner.“
Natürlich ist mir bewusst, dass meine Menschen andere Gründe für diese Reise haben. Meer, Sonne, Landschaft und Essen. All diese Dinge, mit denen sie gern begründen, warum sie stundenlang in einem Auto sitzen, um anschließend an einem anderen Ort dasselbe Handy anzuschauen.
Wir fahren also dieselbe Strecke, aber wir erleben nicht dieselbe Reise.
Für Frauchen und Herrchen beginnt der Urlaub mit einer Route, einer Unterkunft und der Hoffnung, nichts Wichtiges vergessen zu haben.
Für mich beginnt er viel früher. Mit ihrer Stimmung. Mit der Art, wie sie Koffer packen. Ob sie hektisch durchs Haus laufen oder zwischendurch stehen bleiben und lachen. Ob ich das Gefühl bekomme, dass wir gemeinsam unterwegs sind, oder dass ich ein weiteres Gepäckstück bin, das erstaunlich viele Haare verliert. Ob wir nach Dalmatien fahren oder nur bis zum Bäcker, macht für mich einen kleineren Unterschied als für Herrchen und Frauchen. Ich kenne keine Reisepläne. Ich kenne Atmosphäre und ich reagiere darauf.
Das tue ich übrigens nicht nur im Urlaub.
Vielleicht ist es in Teams gar nicht so anders. Auch dort gibt es Pläne, Ziele und gut vorbereitete Worte. Menschen erklären, was wichtig ist, sprechen über Zusammenarbeit oder Verantwortung und merken manchmal erst später, wie viel der eigentlichen Stimmung längst im Raum war.
Ich würde vermutlich unter dem Tisch liegen und mir meinen Teil denken, denn Hunde achten weniger auf das, was gemeint ist, sondern auf das, was tatsächlich da ist: auf Unruhe, auf Zugewandtheit, auf Spannung oder auf den Moment, in dem jemand wirklich zuhört.
Vielleicht sind wir deshalb manchmal ganz brauchbare Spiegel, auch wenn wir die Auswertung eher knapp halten und grundsätzlich mit Leckerli belohnt werden möchten.
Im Arbeitsalltag sind es oft ähnliche Kleinigkeiten, die etwas erzählen: ein ausweichender Blick, eine Frage, die gestellt wird, ein Lachen, das den Raum wieder leichter macht. Einzelne Punkte, erst mit der Zeit wird daraus ein Bild.
Vielleicht nehmen Menschen deshalb so gern Pläne mit auf Reisen und Absichten mit in Besprechungen. Beides gibt Orientierung. Nur lässt sich nicht alles planen, was später wichtig wird.
Ich werde in den nächsten Tagen beobachten, was zwischen Rückbank, Wohnwagen und kroatischer Küste passiert: den Moment, in dem Frauchen zum dritten Mal fragt, ob wir wirklich alles eingepackt haben, den Blick von Herrchen, wenn das Navi eine neue Route berechnet, und die erste Pause, bei der plötzlich niemand mehr auf die Uhr schaut.
Meine Menschen werden glauben, wir machen Urlaub. Ich bin mir sicher, wir reisen endlich artgerecht und ich werde die Punkte sammeln. Und vielleicht stehen wir für einen Moment einfach da, irgendwann am Meer, mit Wind im Fell und ohne etwas erledigen zu müssen.
Manchmal braucht es gar keinen großen Perspektivwechsel. Manchmal reicht ein Dalmatiner, der aufmerksam hinschaut.
Eine schöne Urlaubszeit!
Pfote drauf, euer Eddie!