Dalmatiner-Denken #3: Warum sie alles plant und ich einfach losgehe?

„Sie braucht einen Plan. Ich nur die Tür."

Manchmal beobachte ich sie, bevor wir rausgehen. Dann steht sie da, schaut aufs Handy, überlegt, prüft irgendetwas und denkt nach.

Ich erkenne diesen Blick inzwischen ziemlich gut.
Das ist ihr „Ich muss erst noch kurz…“-Blick.

Er bedeutet meistens: wir gehen nicht jetzt sofort los. Erst noch organisieren, fertig machen… Überlegen, ob man vielleicht lieber die andere Jacke braucht, obwohl draußen seit drei Stunden exakt dasselbe Wetter ist. Menschen wirken in solchen Momenten erstaunlich beschäftigt, obwohl sie noch keinen einzigen Schritt gegangen sind.

Ich verstehe das nicht so ganz. Wenn die Tür aufgeht, dann gehe ich. Nicht planlos, aber vertrauensvoll. Ich denke nicht darüber nach, ob der Weg perfekt ist, ob sich das Wetter vielleicht ändert oder ob unterwegs etwas Unvorhergesehenes passiert.

Unvorhersehbares passiert draußen eigentlich ständig. Genau deshalb gehe ich ja los!

Ich laufe einfach los und unterwegs entsteht dann der Rest. Mal entdecken wir etwas Neues, mal ändern wir spontan die Richtung oder wir bleiben irgendwo länger stehen, weil ich überzeugt bin, dass genau dieser Grashalm wichtige Informationen enthält. Für mich fühlt sich das normal an. Für sie manchmal eher wie ein Organisationsproblem.

Ich glaube, Menschen haben gelernt, dass Sicherheit entsteht, wenn man alles möglichst gut kontrolliert. Termine, Pläne, Entscheidungen und Abläufe. Ehrlich gesagt wirkt das ziemlich anstrengend. Denn während sie versucht, schon vorher alle Möglichkeiten zu kennen, verpasst sie manchmal das, was genau jetzt entstehen könnte.

Es ist doch so, nicht alles zeigt sich am Anfang. Manches entwickelt sich erst unterwegs. Mein Weg wird oft erst klar, wenn ich ihn gehe. Das merke ich jedes Mal draußen. Ich muss nicht vorher wissen, wie jeder Schritt aussieht, um loszulaufen. Ich vertraue darauf, dass wir den Weg unterwegs finden.

Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen uns:

Sie versucht oft, Sicherheit zu fühlen, bevor sie losgeht.
Ich fühle Sicherheit, während ich gehe. Ich muss nicht kontrollieren, ich darf vertrauen. Dem Moment, dem Weg und manchmal auch einfach ihr.

Vielleicht müsste sie gar nicht alles vorher lösen. Es würde vielleicht schon reichen, etwas weniger festzuhalten und einfach mal loszugehen. Ohne die perfekte Route, ohne einen vollständigen Wetterbericht und im Zweifel auch ohne fünf Minuten Diskussion mit sich selbst an der Haustür.

Pfote drauf, euer Eddie!

Was könnte entstehen, wenn du unterwegs mehr Vertrauen zulässt?

Aus der Serie Perspektivwechsel. DALMATINER-DENKEN: Kurz. Ehrlich. Manchmal humorvoll. Aber immer mit einem Punkt, der hängen bleibt. 

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