Oder: Was der Ball sichtbar macht.
Kontrolle und Wirkung, das ist der entscheidende Unterschied. Mein Hund bringt neuerdings seinen Ball nicht mehr zurück.
Er rennt los, schnappt ihn sich und legt sich damit zufrieden ein paar Meter entfernt ins Gras, während ich noch dastehe mit ausgestrecktem Arm und denke: So war das Spiel eigentlich nicht gedacht. Bisher hatte es etwas Eingespieltes. Ich werfe, er bringt. Wir beiden wissen, wie das Spiel funktioniert. Ein sauberer gemeinsamer Ablauf.
Genau deshalb wurde es interessant, als Eddie begann davon abzuweichen und ich aufhörte, ihn zurückzuholen. Nicht trotzig, eher lebendig und als würde bei ihm innerhalb des Gelernten etwas Eigenes entstehen. Ich begann zu sehen, dass Verbindung nicht immer exakt so zurückkommt, wie man es erwartet.
Eddie liest die Atmosphäre und für ihn war der Ball offenbar nicht mehr Teil unserer Interaktion, sondern sein kleiner eigener Schatz. Etwas, das man erobert, besitzt, genießt und daraus Lebendigkeit entstehen lässt. Während ich immer noch dachte, wir hätten unsere Methode.
Plötzlich hatte das Ganze erstaunlich viel mit Punkten zu tun aus denen später Muster werden.
Kleine Beobachtungen, die erst einmal unscheinbar wirken, weil ich zuerst schaute, was fehlt anstatt wahrzunehmen, was sich gerade zeigte.
Ich musste an Zusammenarbeit denken und daran, wie Job und Teams lebendig werden. Jemand im Team übernimmt plötzlich Verantwortung auf eine ganz eigene Art. Ein Meeting wird lebendig, sobald die Agenda kurz vergessen wird. Ein Projekt entwickelt Dynamik, sobald Menschen aufhören, nur Prozesse zu bedienen. Natürlich braucht es Menschen, die Bälle fangen. Die aufnehmen, was ihnen zugespielt wird. Die Verantwortung tragen. Ohne dieses gemeinsame Lernen entsteht keine Zusammenarbeit.
Aber lebendig wird es oft erst dort, wo aus dem „Gefangenen“ etwas Eigenes entstehen darf. Diese Momente wirken oft zunächst unordentlich. Nicht vollständig kontrollierbar. Manchmal sogar irritierend, weil sie von der ursprünglichen Vorstellung abweichen. Aber genau darin liegt Entwicklung.
Vielleicht erkennt man Beziehung nicht daran, dass etwas perfekt zurückkommt, sondern daran, dass überhaupt etwas freiwillig zurückkommen möchte.
Mit eigener Energie, mit Beteiligung und mit Lust am Mitspielen.
Wer nur darauf schaut, ob alles korrekt läuft, übersieht leicht die Energie, die gerade entsteht. Vielleicht ist das einer der leisen Unterschiede zwischen Kontrolle und Wirkung. Kontrolle fragt: Läuft es wie geplant? Wirkung fragt: Was wird gerade sichtbar? Es können diese kleinen Abweichungen sein, aus denen plötzlich etwas Neues erkennbar wird. Ein Muster als Verbindung zwischen einzelnen Beobachtungen, die vorher lose nebeneinander lagen.
Eddie mit seinem Ball war plötzlich nicht mehr das Zeichen dafür, dass etwas nicht funktionierte, sondern ein neuer Punkt im Bild. Muster entstehen selten aus Kontrolle. Sie entstehen dort, wo wir beginnen wahrzunehmen und etwas Eigenes in ein gemeinsames Spiel zurückbringen.
Funktion allein reicht nicht aus, um echte Verbindung zu erzeugen. Wirkung entsteht, wenn wir aufhören, nur das Ergebnis zu kontrollieren und stattdessen wahrnehmen, was sich gerade zeigt. Genau das ist der Punkt, an dem aus einem funktionierenden Ablauf echtes Zusammenspiel wird.
Ball fangen hält Zusammenarbeit am Laufen. Echtes Mitspielen verändert, was daraus entstehen kann.
Wo wünschst du dir gerade mehr echtes Mitspielen?
