Der Moment vor der Reaktion

Nennen wir ihn "Zwischen-Moment".

Es gibt viele Momente im Alltag, die wir übersehen, aber einen Moment, den wir oft übergehen. Auch wenn sehr kurz, umso entscheidender. Und zwar ist es der Moment zwischen dem, was passiert und dem, was wir daraus machen. Zack, vorbei. Dazwischen können wir manchmal kaum atmen, so schnell verschwindet es. Aber ich versuche, genau diesen Moment bewusster wahrzunehmen: eine Nachricht auf dem Handy, ein Tonfall, der uns irritiert oder ein Kommentar im Meeting.

Und wer kennt es nicht, der Impuls ist sofort da: Antworten, Reaktionen, Korrekturen oder sogar Rechtfertigungen. Meistens passiert genau das ohne Pause, ohne Abstand, ohne eine bewusste Entscheidung. Viele Reaktionen passieren automatisch, denn im Alltag passiert so viel automatisch. Das ist meistens gar nicht falsch, aber eben nicht immer bewusst. Ich reagiere, weil etwas in mir ausgelöst wird und nicht, weil ich entschieden habe, zu reagieren.

Und genau hier beginnt für mich Achtsamkeit: in diesem kleinen Moment dazwischen.

Ich erinnere mich gerne an eine Situation in einem Gespräch. Gar nichts Negatives, aber eine Rückmeldung, die ich anders erwartet hatte. Mein erster Impuls war sofort zu antworten, zu erklären, die Situation einordnen zu wollen. Doch diesmal habe ich einen ganz kurzen Moment innegehalten und der Impuls wurde für mich sichtbar. Ich konnte diesen wahrnehmen und hatte somit eine andere Wahl. Und zwar nicht sofort zu reagieren, zuzuhören, sondern dem Gegenüber noch etwas mehr Redezeit zu gewähren.

Was soll ich sagen, das Gespräch hat sich anders entwickelt, als ich es vor dem kleinen Moment erwartet hätte und es vermutlich sonst auch nicht so verlaufen wäre: ruhiger und offener. Ich habe nicht besser reagiert, aber bewusst.

Für mich hatte dieser kleine Moment eine große Wirkung.

Er veränderte natürlich nicht die Situation, aber meine Rolle, da Teil meiner bewussten Entscheidung.

Im beruflichen Kontext ist oft zu beobachten, wie schnell Dynamiken entstehen. Schon ein Satz löst eine Reaktion aus, die zur nächsten Reaktion führt. Und plötzlich entwickelt sich eine Situation, die niemand so geplant und noch weniger gewollt hat.

Achtsamkeit bedeutet für mich nicht, alles zu verlangsamen und nur noch Denk-Pausen einzulegen. Aber bewusst wahrnehmen, wann uns ein kleiner Schritt dazwischen besser und sicherer machen kann. Reaktionen werden weniger impulsiv und das Zuhören genauer.

Dieser Moment zwischen Reiz und Reaktion bleibt unscheinbar und braucht kein Konzept, sondern unsere Aufmerksamkeit.

Führung setzt genau dort an, nicht sofort zu reagieren, sondern im kleinen Moment innezuhalten und damit viel Raum für die weitere Entwicklung zu ermöglichen.

Wo reagierst du im Alltag automatisch und wo könntest du dir einen Moment mehr Raum geben?
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