Jeder braucht (s)einen Leuchtturm.

Besonders in unbekanntem Gewässer.

Im Urlaub in Dalmatien hatte Eddie einen neuen Begleiter: einen kleinen Schwimm-Leuchtturm. Rot-weiß, ziemlich auffällig und definitiv nicht dafür gemacht, sich unauffällig in die Landschaft einzufügen.

Aber das soll ein Leuchtturm ja auch gar nicht.

Er wurde zu seinem Orientierungspunkt. Neues Wasser fühlt sich eben auch neu an.

Für Eddie war das Baden dort zunächst ungewohnt. Er konnte schwimmen, daran lag es nicht. Aber die Umgebung war neu, das Wasser anders als zu Hause und um ihn herum gab es Geräusche, Gerüche und Eindrücke, die er noch nicht kannte.

Eigentlich war er nur als Wasserspielzeug gedacht. Wir warfen ihn ins Wasser, Eddie schwamm hinterher, holte ihn zurück und das Ganze begann von vorne. Mit der Zeit hatte ich allerdings den Eindruck, dass dieser Leuchtturm für Eddie mehr war als nur etwas, das man aus dem Wasser fischen und anschließend stolz ans Ufer tragen konnte.

Zwischen etwas können und sich dabei sicher fühlen liegt manchmal eben doch ein Unterschied. Und mitten in all dem Neuen schwamm dieser kleine rot-weiße Leuchtturm.

Eddie hatte schnell verstanden: Das ist meiner. Wenn der Leuchtturm ins Wasser flog, wusste er, was zu tun war. Er hatte etwas, auf das er sich konzentrieren konnte, und damit offenbar auch etwas Vertrautes in einer Situation, die noch nicht vertraut war.

Hinschwimmen, Leuchtturm holen, zurückkommen. Ein überschaubarer Plan. Vielleicht manchmal gar nicht so schlecht, denn wir suchen Sicherheit oft an der falschen Stelle.

Während ich Eddie dabei beobachtete, musste ich darüber nachdenken, was uns Menschen eigentlich Sicherheit gibt, wenn wir uns in einer neuen Situation befinden. Meist wünschen wir uns dann vor allem, dass möglichst schnell alles geklärt ist. Wir möchten wissen, was auf uns zukommt, wie etwas funktioniert und ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Am liebsten hätten wir einen Plan, der uns nicht nur den nächsten Schritt zeigt, sondern vorsichtshalber auch noch die fünf danach. Nur hält sich das Leben erstaunlich selten an solche Pläne.

Gerade in Zeiten der Veränderung kennen wir eben nicht das ganze Gewässer. Wir wissen nicht, welche Strömung kommt, wie tief es wird oder ob wir zwischendurch unsere Richtung ändern müssen.

Vielleicht ist deshalb eine andere Frage hilfreicher: Was brauche ich, um mich auch im Unbekannten sicher genug zu fühlen?

Denn Sicherheit bedeutet nicht zwangsläufig, dass um uns herum alles sicher, planbar und vertraut sein muss. Sie kann auch daraus entstehen, dass wir mitten im Unbekannten etwas haben, das wir kennen und auf das wir uns verlassen können. So etwas wie einen persönlichen Leuchtturm.

Was nehmen wir mit ins Neue? Wenn wir vor einer Veränderung stehen, richtet sich unser Blick fast automatisch auf das, was neu ist. Wir überlegen, was wir lernen müssen, worauf wir uns einstellen sollten und was künftig anders laufen wird. Dabei vergessen wir leicht, dass wir nicht mit leeren Händen ins Neue gehen. Wir bringen Erfahrungen mit, auf die wir zurückgreifen können. Vielleicht gibt es Menschen, bei denen ein Gespräch genügt, damit die Dinge wieder ein bisschen klarer aussehen. Manche haben Routinen, die ihnen Halt geben, andere bestimmte Werte, an denen sie ihre Entscheidungen ausrichten.

Und manchmal ist es nur dieses schwer zu erklärende Gefühl: Das hier passt für mich. All das können Leuchttürme sein. Sie nehmen uns die Unsicherheit nicht vollständig ab und lösen auch nicht jedes Problem. Aber sie geben uns etwas, woran wir uns orientieren können, während wir den Rest erst noch herausfinden.

Ein Leuchtturm sollte schließlich auffallen.

Eddies Leuchtturm macht es einem dabei ziemlich leicht. Er ist rot-weiß und auf dem Wasser kaum zu übersehen. Was durchaus praktisch ist.

Ein Leuchtturm, der sich farblich möglichst harmonisch an seine Umgebung anpasst, hätte seinen Beruf vermutlich ein wenig missverstanden.

Bei unseren persönlichen Leuchttürmen ist das schwieriger. Sie leuchten nicht rot-weiß vor uns, und manche können wir nicht einmal klar benennen. Manchmal merken wir erst daran, dass wir einen gefunden haben, wie wir uns fühlen. Ruhiger vielleicht, klarer und vertrauter. Dieses innere Gefühl von: Daran kann ich mich halten.

Unser persönlicher Leuchtturm braucht deshalb keine sichtbare Farbe. Vielleicht ist seine Farbe genau dieses Gefühl von Sicherheit, das sich einstellt, obwohl um uns herum noch längst nicht alles geklärt ist.

Und möglicherweise lohnt es sich, diesem Gefühl etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Anker, der schwimmt

Was ich an Eddies Leuchtturm besonders mag, ist ein kleiner Widerspruch: Ein echter Leuchtturm steht fest. Dieser hier schwimmt. Trotzdem wurde er für Eddie zu einer Art Anker. Auch das passt erstaunlich gut zu unserem Leben, denn nicht alles, was uns Sicherheit gibt, muss für immer unveränderlich sein. Was uns heute Orientierung bietet, kann in einigen Jahren etwas anderes sein. Menschen verändern sich, Aufgaben verändern sich und wir selbst tun es hoffentlich ebenfalls.

Unser Leuchtturm darf also ruhig ein bisschen mitschwimmen.

Entscheidend ist nicht, dass er für immer an derselben Stelle steht. Entscheidend ist, dass wir wissen, was uns jetzt Orientierung gibt. Wir brauchen nicht immer die ganze Küste.

Eddie hat über all das vermutlich nicht weiter nachgedacht. Für ihn war die Sache deutlich unkomplizierter: neues Wasser, vertrauter Leuchtturm – los geht’s. Vielleicht liegt genau darin der Gedanke, den ich aus dieser Situation mitnehme. Wenn wir uns in unbekanntem Gewässer bewegen, müssen wir nicht immer schon die ganze Küste kennen. Wir brauchen nicht auf jede Frage eine Antwort und nicht für jede mögliche Strömung einen fertigen Plan.

Manchmal reicht etwas Vertrautes, das wir mitnehmen können. Etwas, an dem wir uns orientieren, während wir Neues ausprobieren. Etwas, das uns daran erinnert, was uns wichtig ist oder worauf wir vertrauen können.

Eddie hatte dafür seinen kleinen rot-weißen Leuchtturm.

Unsere eigenen Leuchttürme sind vermutlich weniger offensichtlich. Man kann sie nicht immer sehen, und manchmal lassen sie sich nicht einmal besonders gut erklären. Aber wir können sie fühlen. Und vielleicht ist das genug.

Was ist dein persönlicher Leuchtturm? Was gibt dir Sicherheit, wenn um dich herum gerade vieles neu und unbekannt ist?
ChatGPT Image 17. Aug. 2026, 12_32_11

Aus meinen Beobachtungen und Gedanken entstanden – mit KI als Schreibpartner.

Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag

Wer bellt hier?

Hallo, ich bin Juli, zusammen mit meinem Dalmatiner Eddie. dotsforlife ist unser gemeinsames Projekt. Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Leben.

Punkte-Übung

Eine einfache Übung verändert, wie du deinen Tag wahrnimmst. Sammle deine Punkte bewusst.

Dalmatiner-Denken

Wenn dein Hund deinen Tag beschreiben müsste, was würde er sagen? Unser Perspektivwechsel: immer mit einem Punkt, der hängen bleibt.

Hier & Jetzt

Kopf hoch – sonst kannst du die Punkte nicht sehen!