Was passiert, wenn ein Dalmatiner Urlaub in Dalmatien macht? Mehr, als ich gedacht hätte.
Eddie war mit uns im Urlaub. Kroatien. Dalmatien. Sonne, Meer, großer Campingplatz, kleine Orte, enge Gassen, viele Menschen und mittendrin Eddie, unser Dalmatiner.
Das ein Dalmatiner in Dalmatien irgendwie ganz gut ins Bild passt, war mir irgendwie klar. Seine Rasse legt es durchaus nahe. Was ich allerdings völlig unterschätzt hatte: Was ein Dalmatiner in Dalmatien bei Menschen auslöst.
Eddie war dort bekannt wie ein bunter Hund. Was bei einem braun-weiß gepunkteten Dalmatiner schon etwas Ironie hat.:)
Wir konnten kaum irgendwo entlanglaufen, ohne dass Menschen ihn bemerkten. Es wurde geguckt, gelächelt, auf ihn gezeigt. Manche blieben stehen, andere sprachen uns direkt an. Touristen genauso wie Einheimische. „Dalmatiner!“ Manchmal brauchte es gar nicht mehr als ein Blick auf Eddie, ein Blick auf uns, ein Lachen und schon war Kontakt da. Und das Faszinierende war: Dafür brauchten wir keine gemeinsame Sprache.
Ein Hund als Gesprächseröffner. Plötzlich kamen Menschen miteinander ins Gespräch, die sich sonst vermutlich einfach nur kurz angesehen hätten und weitergegangen wären.
Manche erzählten von ihrem eigenen Hund. Andere wollten wissen, woher wir kommen. Wieder andere freuten sich einfach darüber, einen Dalmatiner ausgerechnet hier zu sehen. Es waren keine tiefen Gespräche, aber genau das fand ich schön. Denn Verbindung muss nicht immer tief beginnen. Manchmal beginnt sie mit einem Lächeln. Mit einem Satz. Oder schlicht und ergreifend mit einem Hund.
Wir suchen oft nach großen Gemeinsamkeiten. Vielleicht machen wir es uns mit Begegnungen manchmal unnötig kompliziert.
Wir denken, Verbindung entsteht, wenn Menschen möglichst viel gemeinsam haben. Ähnliche Interessen, ähnliche Erfahrungen, ähnliche Lebensentwürfe. Das hilft natürlich, aber manchmal reicht viel weniger, wie z.B. ein gemeinsamer Moment. Etwas, das beide lustig finden. Eine Beobachtung. Eine kleine Irritation. Oder eben ein gepunkteter Hund am richtigen Ort. Eddie hat nichts dafür getan und er ist auch nicht besonders charmant auf Menschen zugegangen, um Kontakte zu knüpfen. Er hatte keinen Plan, kein Networking-Ziel und keine ausgefeilte Kommunikationsstrategie. Wuff! :)
Er war einfach da. Und vielleicht war genau das der Grund, warum es so leicht war.
Was mir dabei besonders hängen geblieben ist: Eddie war ja nicht plötzlich ein anderer Hund. Zu Hause ist er derselbe Dalmatiner. Dieselben Punkte. Dieselben Ohren. Dieselbe Art. Und ziemlich sicher auch dieselben Vorstellungen davon, wann es endlich wieder etwas zu fressen geben sollte. Aber in Dalmatien hatte seine bloße Anwesenheit plötzlich eine ganz andere Wirkung.
Gleicher Hund. Andere Wirkung. Völlig andere Resonanz.
Und da musste ich irgendwann an uns Menschen denken. Wie schnell glauben wir eigentlich, dass wir etwas an uns verändern müssen, wenn die gewünschte Resonanz ausbleibt? Wir erklären eine Idee und niemand springt darauf an.
Wir bringen eine Stärke ein und sie wird kaum wahrgenommen. Wir zeigen etwas von uns und die Reaktion bleibt überschaubar.
Dann kommt schnell der Gedanke: Vielleicht muss ich es anders machen. Besser erklären. Professioneller auftreten. Mehr zeigen. Lauter werden. Mich irgendwie optimieren. Kann sein, aber vielleicht liegt es manchmal gar nicht an uns. Vielleicht stimmt nur der Kontext nicht.
Nicht jede Stärke wirkt überall gleich. Eine Eigenschaft, die in einem Umfeld kaum auffällt, kann in einem anderen plötzlich besonders wertvoll sein.
Eine Idee, für die heute niemand Interesse zeigt, kann an anderer Stelle genau die richtige sein. Eine Art zu denken, die in einer Gruppe als ungewöhnlich gilt, kann in einer anderen dringend gebraucht werden.
Das bedeutet nicht, dass wir bei fehlender Resonanz sofort den Ort wechseln müssen. Und auch nicht, dass wir uns niemals verändern sollten. Aber vielleicht lohnt sich vor der nächsten Selbstoptimierungsrunde eine andere Frage:
Bin wirklich ich das Problem oder passt das, was ich mitbringe, hier gerade einfach nicht?
Denn Wirkung entsteht nicht nur durch das, was wir tun. Sie entsteht auch dadurch, wo, wann und mit wem wir es tun.
Das habe ich in diesem Urlaub ziemlich eindrücklich vor Augen geführt bekommen. Oder besser gesagt: vor die Füße… Auf vier Pfoten.
Vielleicht brauchen wir manchmal unser Dalmatien.
Ich mag den Gedanken, dass wir nicht immer mehr aus uns machen müssen.
Dass es Situationen gibt, in denen wir nicht noch eine Fähigkeit lernen, unsere Kommunikation verbessern oder an unserer Wirkung arbeiten müssen.
Vielleicht dürfen wir manchmal einfach schauen: Wo passt das, was längst da ist?
Wo wird eine Stärke nicht nur toleriert, sondern gebraucht? Wo verstehen Menschen schneller, was wir meinen? Wo entsteht Resonanz, ohne dass wir permanent darum kämpfen müssen? Vielleicht ist das beruflich ein anderes Team. Vielleicht ein anderes Projekt. Vielleicht sind es andere Menschen, mit denen wir uns umgeben. Oder vielleicht ist es nur ein anderer Blick auf das, was wir längst mitbringen.
Eddie jedenfalls hat in Dalmatien nichts anders gemacht als zu Hause. Er musste sich nicht neu positionieren und an seiner Sichtbarkeit musste er definitiv auch nicht arbeiten.
Er war einfach Eddie. Ein Dalmatiner in Dalmatien. Und plötzlich blieb die Welt ein bisschen öfter stehen und lächelte.
Vielleicht ist das manchmal die eigentliche Frage:
Müssen wir wirklich etwas an uns verändern oder haben wir unser Dalmatien einfach noch nicht gefunden?
Aus meinen Beobachtungen und Gedanken entstanden – mit KI als Schreibpartner.