Zwischen drinnen und draußen

Oder: Die Kunst des Ankommens.

Ich saß vor dem Wohnwagen und ließ den Blick über den Campingplatz schweifen. Es war einer dieser Urlaubsmorgen, an denen nichts Besonderes passiert und genau deshalb alles seinen Platz hat. Irgendwo klapperte Geschirr, ein Fahrrad rollte vorbei, jemand suchte verschlafen sein Kind. 😊 In solchen Momenten beginnt für mich die Kunst des Ankommens, lange bevor ich wirklich merke, dass ich schon da bin.

Dann erschien Eddie. Nicht der ganze Hund, nur sein Kopf. Zwei Augen schauten über die Kante der geöffneten Wohnwagentür. Er war einfach dort, weder drinnen noch draußen. Vielleicht liegt genau hier ein Stück Kunst des Ankommens: einfach auf der Schwelle stehen zu können, ohne sofort entscheiden zu müssen, ob drinnen oder draußen gerade richtig ist

Ich wartete darauf, dass er jaulte und raus wollte. Tat er aber nicht. Eddie schaute ganz ruhig und wach, als würde ihm dieser Platz zwischen Innen und Außen völlig genügen. Und genau in diesem Moment fragte ich mich, ob wir Menschen diese Schwellen eigentlich noch aushalten, gut aushalten. Je länger ich ihn dort stehen sah, desto klarer wurde mir: Ankommen ist keine Strecke, sondern eine Kunst. Die Kunst des Ankommens zwischen drinnen und draußen

Urlaub beginnt für uns erstaunlich selten mit der Ankunft. Wir fahren los, kommen an, bauen auf, richten uns ein. Und trotzdem ist der Kopf oft noch unterwegs. Vielleicht ist da noch die letzte Mail, der Gedanke an die letzte oder nächste Woche, die Planung für morgen oder der Wunsch, den Urlaub möglichst gut zu nutzen. Wir sitzen längst auf dem Campingplatz und sind innerlich noch auf der Autobahn.

Vielleicht brauchen wir genau deshalb oft zwei oder drei Tage, bis wir wirklich ankommen. Nicht weil wir uns so lange an den der Ort gewöhnen müssen, sondern weil wir selbst noch unterwegs sind.

Eddie scheint das nicht zu kennen. Er steht einfach auf dieser Schwelle, ohne Eile und ohne den Drang, sofort entscheiden zu müssen, ob drinnen oder draußen gerade die bessere Wahl ist.

Im Arbeitsalltag begegnen mir diese Schwellen auch. Zwischen zwei Meetings, nach einem schwierigen Gespräch oder vor einer Entscheidung. Vielleicht auch zwischen Projektabschluss und Neubeginn. Und wie oft behandeln wir genau diese Zwischenräume nur als Durchgang. Nach dem Motto „Hauptsache weiter,  Hauptsache zum Nächsten“. Dabei entstehen genau dort häufig die Gedanken, die im Laufen und im schnell sein keinen Platz finden.

Gute Führung könnte also weniger mit Antworten zu tun haben als mit Präsenz. Eben nicht sofort weitergehen, nicht jede Pause füllen und nicht jeden Übergang möglichst effizient überbrücken. Wirkung entsteht selten im Sprint von einer Aufgabe zur nächsten. Sie entsteht viel mehr dort, wo jemand innerlich wirklich anwesend ist.

Eddie erinnert mich immer wieder daran, denn er reagiert nicht auf meine Pläne. Er reagiert auf meine Haltung und merkt sofort, ob ich gedanklich schon woanders bin. Vielleicht tun Menschen das genauso.

Die Tür des Wohnwagens ist heute mehr als eine Tür. Sie ist eine Schwelle zwischen Alltag und Urlaub. Zwischen Funktionieren und Ankommen. Zwischen dem nächsten Programmpunkt und dem einen Moment, der einfach sein darf. Jetzt.

Vielleicht beginnt Urlaub deshalb gar nicht an der Grenze oder auf dem Campingplatz. Er beginnt womöglich genau in dem Augenblick, in dem wir aufhören, gedanklich schon beim Nächsten zu sein.

Eddie musste an diesem Morgen nirgendwo hin und vielleicht war genau das der Grund, warum er schon angekommen war.

Wo bist du körperlich angekommen, aber gedanklich noch unterwegs?
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Hallo, ich bin Juli, zusammen mit meinem Dalmatiner Eddie. dotsforlife ist unser gemeinsames Projekt. Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Leben.

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